Eschweger Bismarck-Turm: Braucht er einen neuen Namen?!?

Bismarckturm
Bismarckturm

Eigentlich wollten wir keine Arbeit für oder gegen die hiesige Tagespostille machen, nur „aktuelle Themen“ lassen mich hier nicht drumherum kommen.

In Folge der „Black Lives“-Matter-Kampagne, wurde hier eine Diskussion betreffend der Umbenennung des Bismarck-Turmes auf dem Hausberg der Eschweger angestoßen. Eine Diskussion vor den Berichten in der Printausgabe und auf der Homepage ist nicht festzustellen. Was nur die Vermutung zulässt, das ein findiger Redakteur irgendwo anderswo im Netzwerk des großen Ippen-Medien-Verbunds eine solche Diskussion gefunden hat und sich dachte „Geil, darüber könnten wir auch schreiben…“

Aber bleiben wir der Reihe nach:

Was ist eigentlich der Bismarckturm?

Blick auf Eschwege im Hintergrund der hohe Meissner

Zwischen 1871 und 1914 wurden zu Ehren des ehemaligen Reichskanzlers Otto von Bismarck rund 240 Türme von denen 173 noch erhalten sind gebaut. Die meisten datierten aus der Zeit nach 1890, also dem Todesjahr von Otto von Bismarck, ab dem eine verstärkte Bismarck-Verehrung einsetzte.

Der Eschweger Bismarck-Turm wurde von 1902-1903 anstelle eines mittelalterlichen Warteturms in einer Ringwallanlage aus dem 10 Jh. nach Plänen des Baumeisters Hans Behrendt aus Sandstein gebaut.

Mit seinen etwa 26 Metern Höhe und einem Sockel von 8 x 8 Metern tront er seither auf dem Eschweger Großen Leuchtberg.

Die rund 36.500 Mark wurden in erster Linie durch Spenden erbracht. Die Initiative zum Bau des Turmes ging vom damalig Vorsitezendes des Werratalvereins, Herrn Dr. Wilhelm Brill, aus.

Der Turm besitzt unterhalb der zweiten Aussichtsplattform eine Inschrift die umlaufend „Bismarck zur Ehre / Vergangenen zum / Gedächnis Lebenden zur Freude / Zukünftigen zur / Mahnung“ ergibt.

Am Eingang gibt es noch eine Bronzeplatte mit dem Relief Bismarcks, ein Wappen mit dem gekrönten Reichsadler und das Wappen derer von Bismarcks. Eine Inschrift gibt hier eines der bekanntesten Bismarck-Zitate wieder: Wir Deutsche fürchten Gott sonst nichts in der Welt. Don A. v. Keudell“.

Vom Turm hat mein einen weiten Ausblick ins Werratal der bis ins Eichsfeld, zum Heldrastein, der Boyneburg und zum Hohen Meissner reicht.

Was ist nun das Problem?

Blick auf Grebendorf, oberhalb Neuerode und im Hintergrund die hessische Schweiz

Bismarck gilt als einer der Begründer der deutschen Kollonialisierung. Bismarck selbst war dabei sehr lange Zeit Gegner von Kollonien. Konnte sich dem Thema aber nicht dauerhaft entziehen. Der Sozialimperialismus siegte, als 1884/1885 mehrere Kollonien erworben wurde. Das ganze lief vor dem Hintergrund das Kollonien neue Absatzmärkte für deutsche Produkte bieten würden. Schon wenige Jahre später war aber dies für Bismarck nicht mehr vor dem Spiegel der Geschehennisse in Europa nicht mehr interessant.

„Ihre Karte von Afrika ist ja sehr schön, aber meine Karte von Afrika liegt in Europa. Frankreich liegt links, Russland liegt rechts, in der Mitte liegen wir. Das ist meine Karte von Afrika.“, sagte Bismarck um 1888 gegenüber Kollonialverfechtern.

Genau, diese Zeit wird nun Bismarck vorgehalten.

Bismarck-Verfechter sehen wiederum sagen, das er als Erfinder der Sozialversicherungen doch viel Gutes getan hätte.

Auch hier muss man ziemlich Differenzieren. Ja, Bismarck hat letztendenes die Sozialversicherungen eingeführt. Auf seinem Mist gewachsen ist die Idee aber nicht. Stark vereinfacht darstellt gab es seinerzeit ein Problem: Die Arbeiterschaft begehrte wegen schlechter Arbeitsbedingungen, wegen fehlender Hilfen bei Krankheit oder im Alter immer mehr auf. Gleichzeitig gab es in der politischen Linken die Idee, die im groben der heutigen Sozialversicherung entspricht.

Der Druck gegenüber dem Kaiser Wilhelm 2. wurde immer größer. Zum einen die innenpolitischen sozialen Probleme, Zum anderen wäre es dem Ausland lieber gewesen, wenn der Kaiser zu Gunsten eines Nachfolgers, der ihren Zielen wohlgewollener wäre abgedankt hätte.

Bismarck gab sich der Hoffnung hin, das wenn er den innenpolitischen Druck nachgibt und so dem Arbeitervolk den Wind aus den Segeln nimmt, das es dazu langt das Kaiserreich in ruhigere Fahrwässer zu bringen. Und so zog er wie ein Zauberer den Hase aus dem Hut, die Sozialversicherung aus dem hervor und nahm damit seinen Platz als Schöpfer der Sozialversicherung in der Geschichte ein.

Ganz neu war das System zu der Zeit aber auch schon nicht. Schon unter den Piraten zu Zeiten eines Henry Morgans (gestorben 1688) gab es eine Regelung, nach der quasi als Hinterbliebenenschutz, die Piraten die nicht mit auf Beutezug gehen konnten bzw. die Erben von gefallenen Piraten von der Beute abbekamen. Aber das führt an dieser Stelle etwas zu weit.

Und daraus entsteht eine Diskussion?

Blick auf Brückenhausen und Werdchen in Eschwege

Aus den diesen Umständen nun eine Diskussion über eine mögliche Umbenennung des Bismarksturms zu machen führt aber aus unserer Sicht doch irgendwie etwas zu weit. Wer fordert dann als nächstest die Umbenennung der Burg Hanstein, weil dort grausige Raubritter hausten, die viel Böses getan haben, oder des Treffurter Normansteins, deren Rittergeschlecht sich ebenfalls irgendwann dem Raubrittertums verschrieben hatten und bis ins Werratal hinhein Dörfer plünderten.

Ebenso müsste man auch über einen Namen der Region nachdenken, ob dieser so passt. Denn unsere Frau Holle aus dem Märchen kommt in der ein oder anderen Sage oder Erzählung nicht so lieb und nett rüber, wie die Version aus dem grimmschen Märchenbüchern.

Klar, kann man alles diskutierten. Nur muss man da bei auch immer eins bedenken. Wie werden in 100, 500 oder 1000 Jahren unsere Nachfolger über die heutigen bekannten Namen und deren Taten denken. Was – was für uns heute eigentlich selbstverständlich ist – gilt in der Zeit vielleicht als untragbar und Greultat?

Für meinen Teil ist der Bismarckturm ein besonderer Teil Eschweges. In meiner Kindheit war dieser leuchtenderweise auch noch was seltenenes, da dieser nur zu kirchlichen hohen Feiertagen wie Weihnachten, aber vor allem am Eschweger Johannisfest leuchtete und nicht wie heute das ganze Jahr, außer zu Zugvogelflugzeiten.

Fotos: eigene, Norbert Beck

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