Beton-Drama am Eschweger Hospitalplatz: ein Traum vom Parken
Manche Bauwerke in unserer beschaulichen Kreisstadt haben eine Aura der Ewigkeit. Die Marktkirche zum Beispiel. Oder das Rathaus. Und dann gibt es das Parkhaus am Hospitalplatz – ein Monument der gepflegten Unendlichkeit, ein Beton-Gewordener „Error 404“, ein Ort, an dem die Zeit nicht nur stillsteht, sondern offenbar in den unbefristeten Streik getreten ist. Wenn Steine sprechen könnten, würde dieses Parkhaus vermutlich nur ein langes, gequältes Seufzen von sich geben, unterbrochen vom rhythmischen Tropfen der Instandhaltungsrückstaus.
Werfen wir einen Blick zurück in die goldene Ära, als man noch glaubte, ein Parkhaus sei dazu da, Autos zu beherbergen. Es gab Zeiten, da war das Parken am Hospitalplatz sogar kostenfrei. Ein Hauch von Anarchie in der nordhessischen Provinz! Doch wie alles, was nichts kostet, weckte es Begehrlichkeiten – allerdings weniger bei den Autofahrern, sondern bei den Sanierungsbedarfen. Dann kam die Ära der Pachtverträge. Man suchte das Heil in der privaten Hand. Ein Pächter sollte es richten, Konzepte sollten fließen wie das Bier beim Johannisfest, und die Stadtväter träumten von einer Win-Win-Situation, bei der am Ende alle glücklich sind, außer vielleicht der Geldbeutel der Steuerzahler.
Doch die Realität in Eschwege spielt selten nach dem Drehbuch der Optimisten. Was folgte, war kein Konzept-Feuerwerk, sondern eine juristische Schlammschlacht, die selbst hartgesottene Gerichtsshow-Produzenten vor Neid erblassen ließe. Forderungen nach Zugeständnissen trafen auf die harte Kante der städtischen Erwartungen. Man stritt über Verantwortlichkeiten, während der Beton leise vor sich hin bröckelte. Der Pächter sah die Stadt in der Pflicht, die Stadt sah den Pächter in der Haftung, und der gemeine Eschweger sah vor allem eines: Absperrband.
Es ist schon eine besondere Form der Realsatire, wenn ein Parkhaus in bester Innenstadtlage mehr Zeit vor Gericht verbringt als Fahrzeuge auf seinen Parkdecks. Während in der Nachbarschaft am Nikolaiplatz hunderte von Skeletten ausgegraben werden – was man in Eschwege eben so macht, wenn man eigentlich nur ein bisschen bauen will –, wirkt das Parkhaus am Hospitalplatz selbst wie ein archäologisches Artefakt einer längst vergangenen Zivilisation, die einst die Kunst des „Abstellens von Personenkraftwagen“ beherrschte.
Wir reden hier nicht von Peanuts. Wir reden von Millionen. Neue Plätze kosten Millionen, die Sanierung kostet Millionen und der potentielle Neubau wird auch nicht billiger, und das Warten? Das kostet vor allem Nerven. Das Landgericht mühte sich redlich um Vergleiche, man suchte nach dem goldenen Mittelweg zwischen „völlig marode“ und „vielleicht wieder benutzbar“. Die Chronologie dieses Betonschlamassels liest sich wie ein Fortsetzungsroman, bei dem der Autor nach dem dritten Kapitel die Lust verloren hat, aber vom Verlag gezwungen wird, noch zehn weitere Bände zu füllen.
Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: Wir klagen, wir pachten, wir sperren, wir sanieren (theoretisch) und am Ende stehen wir vor einer Entscheidung, die uns wieder Millionen kosten wird. Es ist das „Perpetuum Mobile“ der Kommunalpolitik. Man steckt oben Hoffnung und Gutachten hinein, und unten kommen Kosten und neue Gutachten heraus. Der Hospitalplatz ist zum Schauplatz einer unendlichen Geschichte geworden, in der die Drachen keine Feuer speien, sondern nur Parkgebühren fressen würden – wenn man sie denn ließe.
Vielleicht sollten wir das Ganze als Kunstprojekt umwidmen. „Die Stille des Stillstands“ – eine Installation über die Vergänglichkeit städtischer Infrastruktur und die Hartnäckigkeit juristischer Schriftsätze. Es wäre zumindest ehrlich. Denn während Anwohner am Nikolaiplatz zu Recht ungeduldig werden, weil dort zwischen historischen Knochen und neuem Pflaster die Zeit verstreicht, ist das Parkhaus am Hospitalplatz das Mahnmal für die Erkenntnis: Ein Dach über dem Auto ist in Eschwege kein Grundrecht, sondern ein juristisches und politisches Privileg, das man sich erst durch jahrelanges Warten verdienen muss.
Was bleibt uns also übrig? Wir beobachten weiter das Schauspiel. Wir verfolgen die Chronologie des Versagens und der Wiederauferstehungshoffnungen. Wir warten auf den Tag, an dem die Schranke sich wieder hebt – nicht nur für die Anwälte, Gutachter und Politiker, sondern für uns alle. Bis dahin parken wir eben woanders, üben uns in Demut und hoffen, dass die 450 Skelette vom Nikolaiplatz nicht irgendwann auch noch im Parkhaus einziehen wollen. Dort wäre es zwar zugig, aber immerhin herrscht dort eine Ruhe, die man sonst nur auf Friedhöfen findet.
Eschwege, deine Baustellen sind dein Schicksal. Aber das Parkhaus am Hospitalplatz? Das ist dein Meisterstück der gepflegten Verzögerung. Ein Hoch auf den Beton, der niemals schläft, aber sich auch niemals bewegt!
Beitragsbild: Google Nano Banana mit Bearbeitung durch Canvas/Norbert Beck
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