Das digitale Werratal in der Glasfaser-Falle

Das digitale Werratal in der Glasfaser-Falle

Es ist ein Trauerspiel in mehreren Akten, das uns derzeit im Werraland aufgeführt wird. Titel der Inszenierung: „Die digitale Geiselnahme“. In den Hauptrollen erleben wir die „Unsere Grüne Glasfaser“ (UGG) als den unnahbaren Liebhaber, der viel verspricht, aber nie auftaucht, und unsere Kommunen als die verlassenen Partner, die erst nicht tanzen wollten und nun allein im digitalen Regen stehen.

Blicken wir auf das Kernproblem, das an Absurdität kaum zu überbieten ist: Da draußen im Land fließen die Fördermittel des Bundes wie Milch und Honig – theoretisch. Doch wer den Heilsversprechen eines Glasfaseranbieters erlegen ist, sitzt nun in einer bürokratischen Sackgasse fest. Solange die UGG die Gemeinden in den Seilen hängen lässt und sich nicht offiziell zur Untätigkeit bekennt, bleibt der Geldhahn aus Berlin fest zugedreht. Man gilt offiziell als „versorgt durch eigenwirtschaftlichen Ausbau“. Dass dieser Ausbau bisher nur auf Hochglanzpapier und in den kühnen Träumen einiger Marketing-Strategen stattfindet? Geschenkt. In der Welt der Paragrafen gilt das bloße Versprechen einer Leitung offenbar schon als Breitband-Anschluss.

Besonders pikant ist die Rolle unserer Rathäuser. Erinnern wir uns an die Akquisephase: Da herrschte in den Amtsstuben vornehme Zurückhaltung. Man wollte mit dem ganzen „Hausierer-Charme“ und dem Klinkenputzen am liebsten nichts zu tun haben. Die Haltung war so klar wie riskant: Glasfaser ist eine feine Sache, aber bitteschön ein rein privates Vergnügen zwischen dem Anbieter und dem Bürger. Man gab huldvoll den Segen, hielt sich aber den Rücken frei, um ja keine Verantwortung übernehmen zu müssen.

Heute rächt sich diese noble Distanz bitterlich. Hätten die Kommunen von Anfang an die Zügel in der Hand behalten und sich als echter, fordernder Partner mit klaren Daumenschrauben positioniert, säßen sie heute nicht als zahnlose Bittsteller am Katzentisch der UGG. Jetzt, wo das Kind nicht nur in den Brunnen gefallen ist, sondern dort vermutlich auch mangels Netz keinen Notruf absetzen kann, ist das Jammern groß. Man trauert vergebenen Chancen hinterher und blickt mit Schweißperlen auf der Stirn auf die Gemeindekassen.

Denn die alles entscheidende Frage lautet: Selbst wenn man sich aus der Umklammerung der UGG lösen kann oder gar von dieser einen Korb erhält – was kommt dann? Reichen die Fördermittel, die man vielleicht aus Berlin bekommt, oder muss man selbst kräftig zahlen? Am Ende droht die Glasfaser an klammen Haushalten zu scheitern, weil man jahrelang auf einen Partner gewartet hat, der offenbar mehr Energie in bunte Werbeplakate als in echte Tiefbauarbeiten gesteckt hat und die lukrativeren Orte abarbeitet.

Die Gemeinde Wehretal kann davon ein Lied singen – ein langes, trauriges Lied in extremer Zeitlupe. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis man dort die bittere Gewissheit hatte, dass vonseiten der UGG rein gar nichts passiert. Diese „Posse aus dem Wehretal“ ist nun das Schreckgespenst für Eschwege und den Rest der Region. Man wartet auf eine Aussage, ein Signal, irgendein Lebenszeichen. Doch die UGG scheint die Kunst des Schweigens perfektioniert zu haben. Man könnte auch sagen: Wir melden uns, ruft uns nicht an. Wie das bei Beziehungen ausgeht, brauchen wir sicher niemandem zu erklären. Ein schnellerer Klartext würde dabei allen Seiten besser zu Gesicht stehen.

So bleiben wir zurück: Gefangen zwischen allen Stühlen. Es ist ein digitales Patt, das uns technologisch um Jahre zurückwirft. Während anderswo die Datenautobahn bereits befahren wird, stehen wir an der Auffahrt und warten darauf, dass jemand die Schranke öffnet – nur um festzustellen, dass wir den Schlüssel gar nicht haben.

Aber grämen wir uns nicht zu sehr. Während wir auf das Wunder der Lichtgeschwindigkeit warten, bleibt uns immerhin eine tröstliche Gewissheit, die uns die UGG nicht nehmen kann: Ein Glück, dass die alten DSL-Leitungen noch funktionieren!

Beitragsbild: Google Nano Banana mit Bearbeitung durch Canvas/Norbert Beck


Rechtschreibung

Die Interpunktion und Orthographie dieses Textes sind frei erfunden. Eine Übereinstimmung mit aktuellen oder ehemaligen Rechtschreibregeln wäre rein zufällig und ist nicht beabsichtigt.

Mal im Ernst: Jeder, der schreibt, macht mal Fehler. Die Texte in diesem Magazin werden vor Veröffentlichung von ChatGPT auf Rechtschreibung korrigiert, sodass zumindest die gröbsten Fehler draußen sein sollten. Damit haben die Texte in diesem Magazin schon mal weniger Fehler als die unserer hiesigen Heimatzeitung, und das will schon was heißen.

Teile die Beiträge

Wenn dir der Beitrag gefallen hat, wäre es schön, wenn du ihn auf sozialen Medien wie Facebook, Instagram, Tumblr, YouTube, Mastodon, BlueSky und Threads teilen würdest. Das Teilen der Beiträge hilft, dieses Magazin und dessen Inhalte bekannter zu machen, sodass noch mehr Leser die Beiträge entdecken. Und je mehr Leser, umso mehr Spaß macht allen Beteiligten die Arbeit an diesem Magazin.

Werde Teil unserer Community!

Wir freuen uns immer über dein Feedback und deine Ideen! Teile deine Gedanken mit uns, indem du einen Kommentar hinterlässt oder uns über das Kontaktformular oder die Mailadresse im Impressum erreichst. Folge uns auf Facebook, Instagram, Tumblr, YouTube, Mastodon, BlueSky und Threads für die neuesten Updates und spannende Inhalte. Gemeinsam machen wir dieses Magazin noch besser – dein Beitrag ist uns wichtig!


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert