Der steinerne Mittelfinger am Hanstein: Ein Nachbarschaftsstreit für die Ewigkeit
Wer heute über den Hanstein spaziert, trifft an einem der Tore auf einen Zeitgenossen, der auch nach über 600 Jahren schlechte Laune verbreitet: den Neidkopf. Eine Fratze, die die Zunge so weit rausstreckt, wie es heutzutage nur noch betrunkene Kirmesgäste in der Region hinkriegen. Aber diese hässliche Steinvisage hat einen tieferen Sinn – sie ist das Denkmal eines monumentalen Egos.
Die Hansteiner: Die „Bad Boys“ vom Werratal
Man muss es neidlos anerkennen: Das Rittergeschlecht der Hansteiner war nicht gerade für seine Demut bekannt. Wenn man sich selbst für die Krone der Schöpfung hält, ist ein „Herr über uns“ eher eine theoretische Überlegung. Respekt? Gab es höchstens vor dem eigenen Spiegelbild. Dass die Landgrafen unten im Tal der Werra ihre Ländereien hatten, wurde von den Hansteinern eher als Einladung zum Raubzug verstanden denn als Grenze.
Da die Wartburg weit weg war und im Tal keine nennenswerte Befestigung den Weg versperrte, führten die Hansteiner ihre Geschäfte nach Wild-West-Manier. Doch im Jahr 1415 hatte Landgraf Ludwig II. genug vom Hochmut des Adelsgeschlechts. Er wollte den Übermut nicht länger nur dämpfen, er wollte ihn einmauern.
Der Schock im Soodener Bergland
Jenseits der Werra, genau gegenüber dem Hanstein, ließ er die Burg Ludwigstein errichten. Eine Geschichte besagt sogar, dass Ludwig I. von Hessen den Hansteinern so dermaßen den Marsch blasen wollte, dass die Burg quasi über Nacht im Soodener Bergland aus dem Boden gestampft wurde.
Die Hansteiner, die sich bis dahin für unantastbar hielten, waren fassungslos. Ein Bollwerk direkt vor der Haustür? In Rekordzeit? Für die stolzen Ritter gab es nur eine logische Erklärung: Das konnte nicht mit rechten Dingen zugehen. Der hessische Landgraf musste den Teufel persönlich als Bauleiter engagiert haben.
Die Antwort in Stein
Anstatt jedoch klein beizugeben oder – Gott bewahre – an ihrem Verhalten zu arbeiten, wählten die Hansteiner die offensive Verachtung. Sie ließen den Neidkopf in ihre Burgmauer einsetzen. Ein hässliches Gesicht mit herausgestreckter Zunge, das den Ludwigsteinern jeden verdammten Tag klarmachen sollte, was man auf der anderen Seite von ihnen hielt.
Der Neidkopf schaut heute noch rüber. Es ist der ewige, steinerne Gruß eines Rittergeschlechts, das lieber eine Fratze in die Mauer schlug, als vor dem Landgrafen den Buckel krumm zu machen. Ein Mahnmal dafür, dass Nachbarschaftsstreitigkeiten im Werratal schon immer ein bisschen kreativer und deutlich langlebiger waren als anderswo.
Habt Ihr oder Euere Nachbarn auch einen Neidkopf am Haus? Berichtet uns davon in den Kommentaren.
Beitragsbild: Google Nano Banana mit Bearbeitung durch Canvas/Norbert Beck
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